Zukunft der Landwirtschaft

Greven, 08.12.2016

Zu diesem Thema referierte der Agrar-Experte Prof. Dr. Folkhard Isermeyer auf Einladung der Volksbanken im Kreis Steinfurt in Hövels Festhalle in Saerbeck / Podiumsdiskussion mit Dietmar Dertwinkel, Vorstand Volksbank Greven, und Sonja Schürmann, DZ Bank

Dietmar Dertwinkel (Vorstand VB Greven), Sonja Schürmann (DZ-Bank) und Referent Prof. Dr. Folkhard Isermeyer

Die Situation in der Landwirtschaft ist angespannt. Die Akzeptanz insbesondere der konventionellen Produktionsweise in der Gesellschaft ist allgemein rückläufig. Hinzu kommen der massive Preisverfall, etwa in der Milchwirtschaft, und stetig steigende Vorgaben des Gesetzgebers, des Lebensmitteleinzelhandels und der Verbraucher hinsichtlich mehr „Nachhaltigkeit“ und Tierwohl.

Auch die heimischen Landwirte fühlen sich davon betroffen. Über 300 Besucher hatten sich am Dienstagnachmittag (6. Dezember) in Hövels Festhalle beim Landwirteforum der Volksbanken im Kreis Steinfurt eingefunden und wurden dort von Dietmar Dertwinkel, Vorstandsmitglied der Volksbank Greven, begrüßt.

Dessen besonderer Gruß galt Prof. Dr. Folkhard Isermeyer und Sonja Schürmann. Während Folkhard Isermeyer, der als einer der profiliertesten Agrarökonomen in Deutschland gilt, zunächst sehr fundiert zum Thema „Zukunft der Landwirtschaft“ referierte, brachte Sonja Schürmann ihren Sachverstand als Expertin für Land- und Agrarwirtschaft bei der DZ-Bank in der abschließenden Podiumsdiskussionsrunde mit Folkard Isermeyer und Dietmar Dertwinkel ein.

Dass die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland von Moll-Tönen durchdrungen ist, kam in den Ausführungen von Isermeyer zum Ausdruck. Zwar habe man sich bislang im internationalen Wettbewerb „gut geschlagen“, stellte Isermeyer, Landwirtssohn aus dem niedersächsischen Eickhorst und seit 2009 Leiter des Thünen-Instituts in Braunschweig, fest.

Der Agrarstrukturwandel und die ökonomischen Zwänge hin zu Großbetrieben und industrieller Produktionsweise stoße in der Gesellschaft jedoch nicht auf Gegenliebe und widerspreche den heutigen Erwartungen. Dies gelte insbesondere für die Nutztierhaltung. „In der Tierhaltung geht es letztlich um einen Wertewandel“, so Isermeyer. Um die Menschen und Verbraucher wiederzugewinnen, brauche man „Zielbilder“, so seine Forderung. Zur Zeit laufe jedoch jeder – ob Wirtschaft, Politik, Verbände – in eine andere Richtung. Das führe zu einer großen Verunsicherung bei den Landwirten. Dringend Gefordert sei daher, so Isermeyer, eine „nationale Nutztierstrategie“. „Wer das will, muss ein großes Rad drehen.“

Zwei Optionen stehen laut Isermeyer zur Wahl. Entweder über ein „staatliches Label samt kollektiver Auflistung“ (Beispiel „Käfigeier“), oder die „staatliche Förderung erwünschter Produktionssysteme“.

Besser sind die Perspektiven im Bereich Pflanzenbau: Die Fortschritte in der Digitalisierung und Miniaturisierung eröffneten viele Chancen – im Interesse aller, sowohl für die Natur wie auch für die Landwirte.