Greven/Saerbeck. Wie sind die ökologischen Perspektiven für die Landwirtschaft? Welche gesellschaftlichen Erwartungen bestehen? Wo gibt es Konfliktfelder zwischen Landwirten und Verbrauchern? Was sind Konsequenzen für die Agrarpolitik? Antworten auf all diese Fragen gab Prof. Dr. Folkhard Isermeyer auf dem Landwirteforum der Volksbanken Greven und Saerbeck. Isermeyer, Präsident und Leiter des Johann Heinrich von Thünen Instituts (vTI) in Braunschweig, sprach zur Fragestellung „Zwischen Welt- und Wochenmarkt – überfordern wir unsere Landwirtschaft?“.
Zahlreiche heimische Landwirte hatten sich im Veranstaltungsraum der Volksbank Greven versammelt, um sich nach der Begrüßung durch Dietmar Dertwinkel, Prokurist der Volksbank Greven, durch den Vortrag fachlich zu informieren und in der anschließenden Diskussion mit den Berufskollegen auszutauschen.
„Wachsen oder weichen“ – vor diese Fragestellung stünden die deutschen Landwirte trotz steigender Agrarpreise auch weiterhin, machte Isermeyer deutlich. Hier sei kein Ende in Sicht. Stichwort Preise: „Hier ist die EU im Weltmarkt angekommen, und dieser boomt nachhaltig“, erklärte Isermeyer. Allerdings finde dieser Boom weniger in Europa als in anderen Erdteilen statt. Insgesamt sei Deutschland stark eingebunden in den internationalen Warenverkehr. Deutschland brauche sich bei der Nahrungsmittelproduktion „nicht zu verstecken.“
Probleme entstünden allerdings in der wachsenden Entfremdung zwischen den Landwirten und Verbrauchern. Als gesellschaftliche „Konfliktfelder“ machte Isermeyer insbesondere die Massentierhaltung und den Einsatz von Nahrungsrohstoffen zur Energieversorgung (Stichwort Biogas) aus. Diese Zielkonflikte müssten zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verbrauchern thematisiert werden. Einfache Lösungen sah Isermeyer nicht in Sicht.
Prof. Dr. Folkhard Isermeyer war von 1990 bis 2007 Leiter der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) Braunschweig. Seit 2009 ist er Präsident und Leiter des Johann Heinrich von Thünen Instituts (vTI) in Braunschweig. Das Institut ist nachgeordnete Behörde des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher-schutz. Das nach dem Ökonomen und Agrarwissenschaftler Johann Heinrich von Thünen benannte Institut forscht fachgebietsübergreifend mit dem Ziel der nachhaltigen Weiterentwicklung der Land-, Forst- und Holzwirtschaft sowie der Fischerei. Dabei bezieht es ökonomische, ökologische und technologische Aspekte ein. Das vTI erarbeitet als Ressortforschungseinrichtung wissenschaftliche Grundlagen als Entscheidungshilfe für die Politik der Bundesregierung.
v.l.n.r. Ansgar Heilker, Albert Topphoff (Vorstände VB Saerbeck) Prof. Dr. Folkhard Isermeyer, Andreas Hartmann (Vorstand VB Greven, Dietmar Dertwinkel und Detlef Hagemann (Bereichsleiter VB Greven)